Ilse Bewig

Ein schönes, gelungenes Leben

Die Pläne für die späten Jahre mit ihrem Mann sahen eigentlich anders aus. Doch das Leben lässt sich darauf nicht immer ein. Der Einzug 2019 in den Wohnpark Kastanienhof war für Ilse Bewig dann ein ganz pragmatischer Schritt. Heute ist sie froh, dass sie ihn damals so vollzogen hat.

Bei der Vorstellung, heute ganz allein unseren Haushalt aufzulösen, wird mir ganz anders. Ich bin heute froh, dass ich hier angekommen bin“, so Ilse Bewigs Worte zum Auftakt unseres Gesprächs. Doch die hellwache 90-Jährige blickt auch auf eine für sie sehr herausfordernde Zeit zurück.

Nach ihrem Krankenhausaufenthalt 2019 mit anschließender Reha wurde deutlich, dass etwas geschehen musste. Bei ihrem Mann zeigten sich bereits Anzeichen einer Demenz.
Allein konnte er nicht mehr bleiben. Und für seine Frau wurde die Situation damit zunehmend schwieriger.
Meine Angehörigen haben einiges in die Wege geleitet und geschaut, wo ein schneller Einzug möglich ist“, erzählt Ilse Bewig. Zudem stellte sich bei einem Probewohnen damals heraus, dass der Kastanienhof aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung ihres Mannes nicht der passende Betreuungsort ist und sie nicht zusammenbleiben konnten. Nach 65 gemeinsamen Jahren war das für das Paar erst einmal schwer vorstellbar. Ein kleiner Trost: Nebenan im Pflegeheim fand sich ein Platz für ihren Mann. „So konnten wir getrennt, aber wenigstens tagsüber oder bei der einen oder anderen Veranstaltung nah beieinander sein. Meine Einstellung damals: Augen zu und durch. Nur gut, dass ich den Kastanienhof schon durch Besuche bei Bewohnerinnen kannte und beim Einrichten viel familiäre Unterstützung hatte.

Doch das Einleben fiel Ilse Bewig trotz Unterstützung schwer, denn der nächsten Herausforderung konnte niemand entkommen: der Ausbruch von Corona. Kontakte waren unterbunden bzw. stark eingeschränkt. Wenige Monate später starb ihr Mann. „Meine Trauerzeit hat lange angehalten und es hat gedauert, bis ich wieder Kraft gesammelt hatte“, so Ilse Bewig heute.

Gern schaut die Seniorin auf ihr Leben mit vielen schönen Erinnerungen zurück – festgehalten in zahlreichen Fotoalben und bei lebhaften Erzählungen bei unserem Gespräch.
Geboren 1936 in Hannover, aufgewachsen in Ahlem und Hameln und dort auch abwechselnd zur Schule gegangen, besucht sie später die höhere Handelsschule Rackow in Hannover. Ihr Berufseinstieg als Verwaltungsfachfrau stellte nicht nur Weichen im Arbeitsleben. Sie lernt in der Landesversicherungsanstalt auch ihren Mann kennen. „Bei einem Betriebsfest hat es dann richtig gefunkt, 1955 haben wir geheiratet und einen Tag später – erst einmal als Untermieter – sind wir in unser erstes gemeinsames Zuhause gezogen.

Als 1961 und 1965 zwei Töchter die Familie komplett gemacht hatten, folgten weitere Wohnungswechsel. Und 1976 der Umzug ins eigene Haus in Rethen, das das Paar 2017 verkaufte. Beide zogen danach wieder in eine kleinere Wohnung.

Auch während der Familienzeit arbeitete Ilse Bewig als Krankheits- und Urlaubsvertretung weiter. „Ich konnte Akten und Tonbänder mit nach Hause nehmen und hatte damals schon ein Homeoffice – auch bei meiner nächsten Tätigkeit für das Agnes-Karll-Krankenhaus. Ab 1976 durfte allerdings keine Arbeit mehr außer Haus gegeben werden. Meine letzte berufliche Station war das Friederikenstift. Ich habe mich dort auf eine Anzeige in der HAZ beworben und war zuständig für das Schreiben von Gutachten.“ Gern erinnert sich die Seniorin dabei an die gute Zusammenarbeit mit den Ärzten. 1988 beendete Ilse Bewig ihr Arbeitsleben. Ihr neun Jahre älterer Mann ging dann auch in Pension.

Nun stand das Reisen auf der Agenda des Paares. Gern ins nähere Bergland von München, wo eine der Töchter mit Familie wohnt, oder nach Südtirol zum Wandern. „Mitte der Neunziger dann unser erster Flug nach Mallorca. Wir sind gern im Frühjahr und im Herbst auf der Insel gewesen, 2016 das letzte Mal. Auch Griechenland war unser Urlaubsziel – im Haus unserer Tochter und des Schwiegersohns.“ Zwischenzeitlich kümmerte sich Ilse Bewig zudem um ihre Mutter, die mit 104 Jahren verstarb.

Inzwischen ist Ilse Bewig in ihrem liebevoll eingerichteten Appartement gut angekommen – auch wenn sie da eher etwas zurückgezogen lebt. „Ich kann gut allein sein. Das war schon immer so. Meine Zeit verbringe ich gern mit Lesen. Anfangs habe ich pro Woche ein Buch aus der Wohnpark-Bibliothek gelesen. Kontakte habe ich bei den Mahlzeiten, die ich komplett aus der hauseigenen Küche nutzte. Ich habe in meinem Leben genug gekocht und Gäste bewirtet. Nun lasse ich mich umsorgen“, erzählt sie mit einem Lächeln.
Zudem hat sie regelmäßigen familiären Kontakt zu ihren Kindern, Schwiegerkindern, Enkeln und zur Urenkelin. Und seit einiger Zeit hat sich auch eine bisher unbekannte Verbindung im Familiengeflecht aufgetan, berichtet die Seniorin zum Ende unseres Treffens. „Im vergangenen Herbst hieß es: Wir haben hier bald eine zweite Frau Bewig. Dann rief die Rezeption an und avisierte einen Besuch, der im Foyer auf mich wartete. Dort haben wir uns das erste Mal gegenübergestanden und sind so in Kontakt gekommen.“

Und von Renate Bewig, der spät entdeckten Verwandten, ist in einer der nächsten Ausgaben zu lesen.

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