Der Blick von seinem Appartement reicht bei gutem Wetter weit in die Ferne – mit viel Raum zum Blau des Himmels. Dabei waren die Umstände zum Zeitpunkt des Einzugs von Klaus Kaase alles andere als himmlisch. Doch wenn es um Herausforderungen geht, ist sein Credo: annehmen und das Beste daraus machen.
„Nach einem unverschuldeten Unfall war ich im Frühjahr 2020 nach einem Beckenbruch an den Rollstuhl gefesselt. In unserer Wohnung an der Andertenschen Wiese konnten wir nicht mehr bleiben“, schaut der 87-Jährige zurück. Nicht nur er war gezwungen, sich auf neue Umstände einzustellen. Corona brachte das Leben fast zum Erliegen. Während andere Senioren ihren Einzug in den Kastanienhof auf Eis legten, gingen seine 2023 verstorbene Frau und seine Tochter gemeinsam und ohne ihn auf Besichtigungstour, bei der einige Einrichtungen verworfen wurden. „In der schwierigen Situation gab es auch gute Fügungen. Meine Tochter kannte den Kastanienhof, der bei ihr einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte, bereits von einer Trauerfeier in der Kastagnette. Und zum Glück war auch ein passendes Appartement zum schnellen Einzug verfügbar. Eine Herausforderung war allerdings die Beschaffung von erforderlichem Mobiliar. Und die vierwöchige Quarantäne, in die wir uns nach unserem Einzug Mitte Mai 2020 begeben mussten.“ Eine schwierige Situation für das Einleben, denn das Paar durfte das Appartement nicht verlassen. „Aber wir wurden gut versorgt. Und das Beste: Wir waren beieinander und das schon insgesamt 65 Jahre.“ Noch heute erzählt Klaus Kaase mit Leuchten in den Augen von den ersten Begegnungen. Da hatte seine Frau schon längst ein Auge auf ihn geworfen. Doch er konzentrierte sich vorerst auf sein Training, hielt die strengen Verhaltensregeln für Leistungssportler ein, lernte durch seine sportlichen Erfolge viele deutsche Städte kennen und kann auf prägende Erlebnisse in der Zeit zurückblicken. Mit seinem Berufsabschluss als Chemielaborant verabschiedete sich Klaus Kaase 1958 vom Ruderleistungssport.
Nun war Raum für die Liebe. 1962 wurde geheiratet, sechs Jahre später machte eine Tochter aus dem Paar eine Familie.
Apropos Familie: Die hatte und hat für Klaus Kaase einen hohen Stellenwert. 1938 in Hannover geboren und aufgewachsen mit einem Bruder, lebte er zeitweise in Elze/Alfeld bei seinen Großeltern, weil es zur Zeit seiner Einschulung in Hannover keine intakten Grundschulen gab. Später zurück in Hannover, war Wechselunterricht angesagt. Schon als Kind und Jugendlicher machte er aus dem, was ist, das Beste: Sammelte Schrott, jobbte in einer Schlosserei, arbeitete auf der ersten Industriemesse und war offen für Veränderungen. Als junger Familienvater wechselte er den Beruf.
Dreißig Jahre arbeitete er als Schadensregulierer bei einem Versicherungsunternehmen. Über drei Jahrzehnte auch ehrenamtlich im Ruderclub, wo er sämtliche Versicherungsangelegenheiten bearbeitete. 2021 entstand ein Brandschaden in Höhe von 750.000 €, den er alleine mit der Versicherungsgesellschaft abwickelte, wodurch er im Ruderclub zum Ehrenmitglied ernannt wurde.






„Aber Arbeit war nicht alles. In jüngeren Jahren waren wir viel unterwegs, sind Ski gefahren, gerudert und viele Jahrzehnte Jahr um Jahr zu einem Segeltörn aufgebrochen“, so sein Rückblick auf schöne Familienerlebnisse.
1990 dann eine unheilvolle Diagnose. Eine ernste Herausforderung für alle. Was tun? Herausforderung annehmen! Klaus Kaase stellte sich der Forschung zur Verfügung. Eine mutige und vor allem erfolgreiche Entscheidung. Auch die Folgen des unverschuldeten Unfalls nahm er nicht einfach hin, sondern ergriff die Möglichkeiten einer neuen Behandlung. Der Rollstuhl war passé, es folgten gute Jahre.
Dann der nächste Einschnitt: Seine Frau erkrankte an Demenz. Das bisherige Appartement, das beide bei Besichtigungen gern zeigten, funktionierte nicht mehr. Die Lösung: Ein hausinterner Umzug in zwei nebeneinander liegende Appartements. Die standen glücklicherweise, wie beim Einzug 2020, schnell zur Verfügung. Bei dem hausinternen Umzug war seine Familie eine große praktische Hilfe. Klaus Kaase kümmerte sich in der Zeit liebevoll um seine Frau Bärbel und bekam Unterstützung durch seine Familie und durch das Wohnparkteam. Nach dem Tod seiner Frau war seine Familie und das Team vom Wohnpark eine große emotionale Stütze.
Nicht nur ein guter familiärer Kontakt, auch zu seinen beiden Enkelinnen, ist für den Senior, der bei allen Herausforderungen seine Zugewandtheit und seinen Humor nicht verloren hat, wichtig. Ob beim Mittagstisch, bei Konzerten, Vorträgen, beim Foyertreff oder Männerabend – ohne ein freundliches Wort, einen kleinen Spaß ist Klaus Kaase kaum anzutreffen. „Statt sich in Meckerei zu verlieren ist es doch viel schöner, dem Leben mit Freundlichkeit zu begegnen, das habe ich auch bei meiner Arbeit im früheren Residenzbeirat so gesehen. Und ich freue mich über jeden, der mir ebenso begegnet.“
Im Haus hat er viel Anschluss gefunden und hat den einen oder anderen geselligen Abend, innerhalb und außerhalb des Wohnparks verbracht.
Bei dieser Haltung will er bleiben – auch bei neuen Herausforderungen. Das ist am Ende unseres Treffens gut zu spüren.