Kastanie-Ausgabe-323

6/2026 Bemerkenswert Wir würden gern ohne sie auskommen: Strafrechtsfälle. Doch das ist leider eine Illusion. Sie beschäftigen immer wieder die Gemüter - nicht nur die der Bevölkerung, sondern auch die der zuständigen Justiz. In „Feine Risse“ von Elisa Hoven wird das deutlich. Die Protagonistin des Buches: Eva Herbergen. Die engagierte, kinderlose Strafverteidigerin hat den baldigen Berufsausstieg im Blick, um mit Ehemann Peter das Alter zu genießen. Doch ihre Fälle lassen sie nicht wirklich los. Sie reichen bis in ihr Privatleben hinein und berühren auch ihr inneres Empfinden - jenseits juristischer Regeln. Aus ihrer Sicht geschrieben, stellt die Strafverteidigerin Eva insgesamt acht recht spektakuläre Fälle vor, mit deren Mandat sie betraut wurde. Da geht es um Trunkenheit am Steuer mit Todesfolge, eine geführte Bergtour, die mit einem Absturz endet, um Entführung mit Lösegeldforderung, einen tödlichen Schuss am Filmset, … Bei den geschilderten Fällen wird deutlich, dass das Recht der Gerechtigkeit durchaus im Weg stehen kann, ein Urteil immer nur eine Annäherung an die Wahrheit ist und die Vorgeschichten der Fälle leicht übersehen werden. Das bringt mitunter auch Eva Herbergen an die Grenzen persönlicher Moralvorstellungen. Das Buch verzichtet komplett auf Fachtermini oder Fachsimpelei. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die inneren Konflikte der Hauptfigur Eva und deren Betrachtungen zu Themen wie Schuld, Wahrheit, Lüge, Recht und Lücken im Rechtssystem. Eingebettet in die Geschichten ist auch ganz Privates – mit berührender Selbstreflexion zu Alter, Berufsende und Partnerschaft: unaufgeregt, ruhig und klar erzählt. Feine Risse 13 Constanze Wolf

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