Kastanie-Ausgabe-321

4/2026 Bemerkenswert Auch wenn es sich sehr unterschiedlich anfühlen kann: Rein anatomisch starten wir immer gleich in den Tag. Wir erwachen. Nicht jede(r) ist gleich hellwach. Manche Menschen brauchten etwas mehr Zeit, um bewusst im Hier und Jetzt anzukommen. Aber wach müssen wir sein, um unsere Welt bewusst wahrzunehmen, zu denken, zu handeln, zu lernen, zu kommunizieren, … Doch es gibt eine Spezies aus unserem Kreis der Säuger, die gleichzeitig schlafen und wach sein kann: Delphine. Sie schalten eine Gehirnhälfte einfach ab, um zu ruhen. Die andere sorgt dafür, dass sie in ihrer Umgebung aktiv sind und weiterschwimmen. Und noch etwas ist besonders: Sie können den Einsatz ihrer Gehirnhälften wechseln. Mit diesem Faszinosum der Natur beginnt Christoph Ribbat seinen Exkurs in dem Buch „In den Tag. Eine kurze Geschichte des Auf- wachens“, erschienen im Verlag Insel. Wir können das nicht. Dafür sind uns aber andere Möglichkeiten gegeben. Die illustriert der Autor auf verschiedene Weise auf 116 Seiten. Eines der Themen ist unsere Gabe zu träumen und uns nach dem Aufwachen oft an das zu erinnern, was unser Hirn produziert hat. Auch ganz Profanes im wohl eher ländlichen Alltag kommt zur Sprache. So geht Christoph Ribbat unter anderem der Frage nach, wozu der Hahnenschrei im Morgengrauen biologisch eigentlich gut ist. Auch Annette Droste-Hülshoff spielt eine Rolle. Sie wachte einmal mitten in der Nacht auf und schrieb ein Gedicht darüber, was schlaflosen Menschen durch den Kopf geht. Und beim Lesen kann man bemerken: Dieses Buches ist alles andere als ermüdend. Man lebt sein Leben nur einmal 14 Constanze Wolf

RkJQdWJsaXNoZXIy NzYxOTg=