Ilse Geigant

Ein neues Zuhause in der Nähe

Nicht selten ziehen Seniorinnen und Senioren in die Nähe von Angehörigen, um leichter miteinander Kontakt zu pflegen. Oft ist das verbunden mit einem nicht unbedeutenden Ortswechsel. Da gilt es dann, nicht nur im neuen Zuhause, sondern in einem komplett neuen Umfeld anzukommen. Bei IIse Geigant war das anders.

„Wir sind eigentlich nur ein paar Straßen weiter gezogen“, erzählt die 96-Jährige zum Auftakt unseres Gesprächs. Die gebürtige Hannoveranerin wohnte mit ihrem 2023 verstorbenen zweiten Mann seit Mitte der Achtziger Jahre in Mittelfeld. Doch davor gab es etliche prägende Stationen.

Während des Krieges wurden Kinder oft „verschickt“. Auch Ilse Geigant. Insgesamt eineinhalb Jahre war sie in Kinderlandverschickung und getrennt von ihrer sechs Jahre jüngeren Schwester. Als die Angriffe auf Hannover immer bedrohlicher wurden, wurden die beiden Mädchen mit der Mutter 1943 nach Moringen evakuiert. Erst sechs Jahre später war die Familie wieder komplett, der Vater zurückgekommen und eine Wohnung in Hannover gefunden.

„Nach dem Besuch der Handelsschule wurde ich Stenotypistin, später Privatsekretärin in einer Familie. Mit der Hochzeit 1956 und der Geburt des ersten Sohnes zwei Jahre später begann meine Familienarbeit“, erzählt Ilse Geigant. Ihr zweiter Sohn kam 1961 zur Welt. „Kaum waren die Jungen erwachsen, verstarb mit nur 48 Jahren mein erster Mann, der Vater meiner Kinder.“

„Mitte der Achtziger Jahre heiratete ich ein zweites Mal. Erst als mein Mann einen Ruf für eine Professur hier erhielt, zog er von München nach Hannover. Und wir in ein Haus in Mittelfeld. Altersbedingte und gesundheitliche Veränderungen legten 2017 nahe, Haus und Garten aufzugeben. Bei der Entscheidung waren wir uns einig. Auch was unser neues Zuhause werden sollte. Wir hatten Glück, dass unsere Wunschwohnung schnell verfügbar war und wir im Mai 2017 schon einziehen konnten. Meine Söhne, die beide längst nicht mehr in Hannover leben, haben uns beim Umzug und der Auflösung unseres Hauses tatkräftig geholfen“, so der Rückblick der geistig agilen Seniorin.

„Wichtig an einem neuen Zuhause waren uns ein gepflegtes Wohnumfeld und entsprechende Umgangsformen. Dazu wirkliche Entlastung in Alltagsdingen und im Fall des Falles Ansprechpartner und Hilfe vor Ort. Auch unseren gewohnten Lebensrhythmus wollten wir beibehalten. Das Einleben fiel uns recht leicht. Denn das, was wir wollten, stand nicht nur in schönen Prospekten, sondern war nun zu erleben.“ Bei der frei wählbaren Verpflegung schätzen sie von Anfang an den Mittagstisch. Und auch Veranstaltungen waren ein willkommenes Angebot.

Anfang 2023 gab es für Ilse Geigant einschneidende Veränderungen. Ihr zweiter Mann war verstorben und ein hausinterner Umzug in eine etwas kleinere Wohnung stand an. „Auch da haben meine Söhne mir wieder tatkräftig zur Seite gestanden. Mit meinen Kindern, den vier Enkeln und drei Urenkeln habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Sie besuchen mich regelmäßig, obwohl sie alle nicht in Hannover leben“, erzählt Ilse Geigant mit sichtlicher Freude.

Auch zur Bewohnerschaft pflegt die 96-Jährige Kontakt – beim Mittagstisch und bei der einen oder anderen Veranstaltung. Vorträge und Konzerte besucht sie gern. „Leider bin ich nach einem Sturz nicht mehr so mobil. Auch Probleme mit dem Hören bringen Einschränkungen bei größeren Gruppen. Ich kann mich aber gut selbst beschäftigen, ich lese gern – vor allem interessante Biografien. Seit dem Einzug meiner Schwester Ende 2024, verbringen wir beide auch gemeinsam Zeit vor Ort.“

Ilse Geigant möchte so lange wie möglich selbstständig bleiben. „Doch das Wissen um das freundliche Kastanienhof-Team, gibt mir auch ein gutes Gefühl von Sicherheit, wenn sich die Selbstständigkeit verändert“, schließt die Seniorin unser Gespräch ab.

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