Hannelore Wild
Kinder, Kinder, was für ein Leben
… war das Erste, was ich nach unserem fast zweistündigen Gespräch dachte. Und dabei ging es längst nicht nur um Kinder. Die spielen im Leben von Hannelore Wild allerdings eine tragende Rolle. Davon sowie von Herausforderungen und Fügungen ist die beeindruckende Lebensgeschichte der 94-jährigen geprägt.
„Ich wollte immer frei entscheiden können.“- Ein Statement, das sich wie ein roter Faden durch Hannelore Wilds Leben zieht. „Schon als Kind wusste ich genau, was ich wollte.“, so die hellwache Seniorin im Rückblick.
Geboren im Kreis Gifhorn und mit einem jüngeren Bruder in Hannover aufgewachsen, zog die Familie 1942 für drei Jahre nach Stadtoldendorf. Nach Kriegsende dann die Rückkehr nach Hannover. „Mit dem Schulunterricht auf dem Lande war das damals so eine Sache. Aber eine berufliche Ausbildung war mir wichtig.“ Sie besuchte die Handelsschule und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss danach bei einer Versicherung als Kontoristin.
Nach ihrer Heirat 1951 und mit dem ersten Kind änderte sich vieles. Dem folgten bis 1964 fünf weitere. Doch bald war sie mit ihren drei Mädchen und drei Jungen allein. „Mein Mann hat die Geburt unseres letzten Kindes nicht mehr erlebt. Mit 36 Jahren ist er einem plötzlichen Herztod erlegen.“
Was nun? Fragen über Fragen, die sich auftaten. Da halfen der jungen Witwe beeindruckender Lebensmut,
Pragmatismus und ihre Entscheidungsfreudigkeit. „Und auch meine kaufmännische Ausbildung. Denn ich musste mich nun auch um eine Hausverwaltung kümmern. Zudem war unser Zuhause auch immer offen für andere Kinder. Wohltuend war außerdem, dass die Kontakte zu früheren Mitschülern der Herschelschule, die mein verstorbener Mann gepflegt hatte, nicht abbrachen.“
Daraus, und als die Kinder längst aus dem Haus waren, ergaben sich neue Aufgaben und Fügungen: die Betreuung von Enkeln und der Kontakt zu einer Seniorengruppe. Bald war Hannelore Wild damit betraut, eine Kegelgruppe aufzubauen und Ausflüge zu planen. „Die verschiedensten Dinge zu organisieren, war ja für mich jahrelang gelebter Alltag.“ Dabei lernte die umtriebige Seniorin Ende 1990 ihren Lebensgefährten kennen. „Wir haben uns langsam angenähert“, erzählt sie rückblickend ein wenig verschmitzt, „denn Alfred war anfangs meine Entscheidungsfreudigkeit und Selbständigkeit als Frau nicht so ganz vertraut. Wir haben dann gemeinsam schöne Jahre verbracht, mit engem Kontakt zu meiner und seiner Familie, zu der noch immer eine Verbindung besteht. Meine Wohnung habe ich allerdings nie aufgegeben.“ Einige Zeit, hat Hannelore Wild ihren Lebenspartner auch gepflegt.






„Als er verstarb, war ich 82. Gesundheitliches machte sich bemerkbar. Und damit auch die Frage, welche Entscheidung ich für mich rechtzeitig und selbstbestimmt treffen will.“ Ein Seniorenstift kannte sie durch Besuche bei Bekannten, ein anderes kam nicht infrage. Und den Kastanienhof hatte sie im Werden und Wachsen erlebt, da einer der Söhne in der Nähe wohnt. Zudem lebte ein ehemaliger Herschelschüler im Kastanienhof, mit dem Hannelore Wild weiterhin in Verbindung geblieben war. Bei einem Tag der offenen Tür und nachfolgenden Gesprächen stand ihre Einzugs-Entscheidung fest. „Auf meine Wunschwohnung musste ich allerdings noch ein paar Monate warten, ehe ich 2018 einziehen konnte.“ Wie wohl sie sich schon bald fühlte, konnten Interessierte vor Ort erleben. Bei Tagen der offenen Tür präsentierte sie bei zahlreichen Besichtigungstouren gern ihr Zuhause.
Wichtig war der Seniorin die gute Verkehrsanbindung mit der Linie 8 vor der Tür. Und die optionale Teilnahme an Mahlzeiten. Denn sie kocht immer noch gern selbst. Auch bei Veranstaltungen, vornehmlich Reisevorträge, Konzerte, Begegnungen im Foyer und früher beim Kegeln ist bzw. war sie gern dabei. „Mein Leben ist nach wie vor gut angefüllt. Gesellschaftliches und das politische Gesehen verfolge ich nach wie vor interessiert, lese täglich die Tagezeitung. Weiterhin eng ist auch der Kontakt zu den Kindern, die nicht in Hannover, sondern in Berlin, Rösrath, Potsdam und Braunschweig leben, sowie zu den 9 Enkeln und 8 Urenkeln. Wir telefonieren regelmäßig. Bei Besuchen sind die im Kastanienhof zur Verfügung stehenden Gästeappartements ein gutes Angebot. Ich hoffe, dass mir das alles noch ein paar Jahre erhalten bleibt“, so Hannelore Wild am Ende unseres Gesprächs.