Kastanie-Ausgabe-319

2/2026 Bemerkenswert Der Titel von Thomas Strässles Buch mag in der gegenwärtigen Zeit erst einmal nicht unbedingt zum Lesen einladen. Doch das Buch erzählt berührend von der authentischen Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die Hindernissen trotzen, von angestacheltem Erfindergeist, von Willenskraft, verbunden mit Unbekümmertheit, von Zweifeln, Hoffnung und Zuversicht. Und: die Liebenden finden trotz allen Widrigkeiten und Gefahren zueinander. Thomas Strässler erzählt die Geschichte seiner Eltern, die 1965 ihren Anfang nimmt. In Erfurt, im Haus der Roten Armee, begegnen sie sich das erste Mal. Sie (21) aus Anlass einer Exkursion der Kunsthochschule Dresden, wo sie studiert. Er (23) ein Student aus der Schweiz auf Studienreise in Deutschland mit dem Plan für ein Auslandssemester in Göttingen. Doch die Begegnung ist folgenschwer. Die Wahl fällt danach auf West-Berlin. Nur so gibt es die Möglichkeit, dass sich die beiden im Osten der Stadt treffen können. Mit jeder Begegnung wächst der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben. Dazwischen: der Eiserne Vorhang. Ein Leben in der DDR kommt für beide nicht in Frage, und so suchen sie nach einer legalen Möglichkeit für eine Ausreise. Also tüfteln sie an einem Plan, der das System mit den bestehenden Beschränkungen aushebelt. Und der am wenigsten Aufmerksamkeit auf ihr Vorhaben lenkt. Nicht mehr eine Ausreise, sondern eine Einreise soll beide zusammenführen. Die Route nach Zürich führt über Prag, dass sozialistische Nachbarland der Dresdner Studentin. Für die ist es auch eine Herausforderung sich von dem Vorhaben nichts anmerken zu lassen. Weder bei der Familie noch bei Freunden und Kommilitonen. Bis ins letzte Detail ist alles geplant und akribisch vorbereite. Doch im letzten Moment droht die Farbe eines Stempels beinahe alles ins Wanke zu bringen. Fluchtnovelle 12 Constanze Wolf

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